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„Klimaneutralität ist nur gemeinsam erreichbar.“

Herr Klinck, seit mittlerweile Juli 2013 verwenden alle Standorte von Eversfrank Ökostrom. Was bedeutet das für die Gruppe?

HK: Das bedeutet in erster Linie eins:  sauberen Strom für alles und jeden. Angefangen bei unseren Maschinen über die Außenbeleuchtung bis in jedes Büro. Der Ökostrom wird regenerativ durch Wasserkraft in Norwegen erzeugt. Dabei werden die Herkunftsnachweise für die Hydroenergie in das deutsche Herkunftsnachweisregister übertragen und dort für die Stromkennzeichnung entwertet. Somit können sich unsere Kunden sicher sein, dass die Strommengen aus erneuerbaren Energien auch ausschließlich an uns verkauft wurden. Das ist heute ein wichtiger Punkt, denn bisher ließ sich nicht sicher ausschließen, dass der Stromerzeuger dieselbe Menge Ökostrom mehrfach verkauft oder in verschiedene Bilanzen einfließen lässt.

Aber: Der Strom kommt eben aus Norwegen. Bislang schaffen wir es nicht, ihn über diese Strecke an unsere Standorte, die in ganz Deutschland verteilt sind, klimaneutral zu transportieren. Für die Durch- und Weiterleitungen in das deutsche Stromnetz fällt nach dem international anerkannten Emissionsfaktor der ecoinvent Datenbank ein Wert von 19,94 g CO₂/kWh an, um die Auswirkungen des Transportweges abzudecken. Dieser Wert ist variabel und wird jedes Jahr aktualisiert – für das nächste Geschäftsjahr hat sich der Wert gemäß Datenbank auf 18,42g CO₂/kWh gesenkt. Diese CO₂-Emissionen kompensieren wir vollständig und nutzen hierfür unser eigenes Aufforstungsprojekt Evers-ReForest. So ist unser eingesetzter Strom schlussendlich zu 100% klimaneutral gestellt.

Und seit diesem Jahr gibt es auch klimaneutrales Erdgas bei Eversfrank?

HK: Stimmt. Im letzten Geschäftsjahr entstanden an den Produktionsstandorten rund 12.000 t CO₂, die zum größten Teil der Erdgasverbrennung geschuldet sind. Das Erdgas benötigen wir jedoch für verschiedene Produktionsprozesse, wie für das Trocknen der Papierbahnen während des Drucks und, in kleinerem Ausmaße, für den Gasbetrieb unserer Heizung. Diese Emissionen werden wir künftig vermeiden, denn seit dem 1. Juli 2017 verwenden wir ausschließlich klimaneutralisiertes Erdgas für unsere Prozesse. Die Kompensation erfolgt dabei durch ein internationales Klimaschutzprojekt der Vereinten Nationen. Jedem Projekt ist eine Registrierungsnummer und ein sogenanntes Voluntary Cancellation Certificate zugeordnet, anhand denen das Gas ganz ähnlich wie beim Ökostrom entwertet wird. Eine entsprechende Menge CO₂ wird also kompensiert und unser Gas somit klimaneutralisiert.

Was hat das Greenhouse Gas Protocol damit zu tun?

HK: Sehr viel. Denn es gilt als entscheidende Richtlinie und stellt mit der Einteilung in drei verschiedene Scopes die Grundlage für unser gesamtes Klimamanagement dar. Scope 1 umfasst dabei alle direkten Emissionen, die bei uns in der Gruppe entstehen. Hierzu zählt der gerade genannte Erdgasverbrauch, den wir wie dargestellt nun komplett neutralisieren. Darüber hinaus entstehen jedoch durch Dienst- und Flurförderfahrzeuge sowie durch diffuse Emissionen von Druckfarben oder Lösungsmittel zwar geringe, aber dennoch existente Emissionen. Diese kompensieren wir mit Evers-ReForest. Womit Scope 1 klimaneutralisiert wäre.

Scope 2 beschreibt alle Sekundärenergien, in unserem Fall Strom und Fernwärme. Hier beliefen sich die Emissionen im GJ 12/13, als wir noch keinen Ökostrom hatten, auf über 21.000 t. Seit dem Einsatz von Ökostrom konnten wir rund 95% dieser Emissionen einsparen. Die überschüssigen Emissionen, die wie bereits gesagt durch den Transportweg entstehen, werden ebenfalls durch Evers-ReForest kompensiert. Genau wie die Fernwärme, die wir am Standort Berlin beziehen. Somit ist auch Scope 2 zu 100% klimaneutral.   

Sind das alle Emissionen, die wir bilanzieren müssen?

HK: Nein, leider nicht. Trotz der Umstellungen auf klimaneutrales Erdgas gibt es noch einen weiteren Part, Scope 3. Er beinhaltet alle indirekten Emissionen, die durch vor- und nachgelagerte Prozesse entstehen – zum Beispiel durch die Erzeugung und den Transport des Druckpapiers oder die Herstellung der Druckplatten sowie aller weiteren Hilfs- und Betriebsstoffe. Sprich, all diejenigen Prozesse, die wir nur bedingt beeinflussen und deren CO₂-Emissionen wir nicht verhindern können, wir aber gemäß Greenhouse Gas Protocol und ISO 14064 miterfassen und bilanzieren müssen. Durch die ausführliche Beratung unseres Vertriebsteams über umweltschonende Druckprozesse und mögliche Papiersorten, die über niedrige CO₂-Papieremissionsfaktoren verfügen, möchten wir unsere Kunden zu einer ökologischen Strategie motivieren. Um so zum Beispiel den Einsatz regionaler Papiere zu fördern und die Transportemissionen gering zu halten. Hier spielen auch neue Technologien eine wichtige Rolle, die der Digitaldruck möglich macht. Denn manchmal macht ein hochindividualisiertes Produkt mit einer geringen Auflage mehr Sinn als ein Streuprodukt.