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„Für viele ist die Mixed Reality Alltag geworden.“

Fabian Nissen, Verantwortlicher Unternehmenskommunikation, im Gespräch mit Axel Polei, Geschäftsführer Eversfrank Meldorf, und Joachim Glowalla, Geschäftsführer Eversfrank Preetz.

FN: Herr Polei, welche Bedeutung trägt die digitale Transformation bei der Eversfrank Gruppe?

AP: Eine sehr große. Denn noch bevor alle Welt von digitaler Transformation sprach, stellte die Eversfrank Gruppe die Weichen für die Verschmelzung ihres Kerngeschäfts Print mit der digitalen Kommunikationswelt. So transformierten wir uns vom einstigen Traditionsunternehmen mit über 100-jähriger Erfahrung als Druckdienstleister zum international agierenden Mediendienstleister. Unser Portfolio zeigt, mit welch einer medialen Vernetzung ein modernes Druck- und Medienunternehmen heutzutage arbeiten kann – und letztlich auch muss. Für viele Menschen ist die Verschmelzung der realen und digitalen Welt zum Alltag geworden. An diese veränderten Lebenswirklichkeiten knüpfen wir an und beziehen alle Kommunikationskanäle in unser Kerngeschäft, den Druck, mit ein. Dabei arbeiten alle Unternehmen unter dem Dach der Eversfrank Gruppe interdisziplinär zusammen.

FN: Die da wären?

AP: 2011 begann unsere crossmediale Entwicklung mit der Beteiligung an der Firma Comosoft, Anbieter für PIM- und Medienproduktionssysteme. Diesen Kompetenzbereich bauten wir mit dem IT-Spezialisten für Verlage ppi Media weiter aus. Der diesjährige Zuwachs von Novadex bedeutet für uns eine ideale Ergänzung im Bereich One-to-One-Marketing und ermöglicht es, unseren Kunden individualisierte, medienübergreifende Marketinglösungen aus vollständig eigenen Ressourcen anzubieten. Im Zusammenspiel aller Unternehmen der Eversfrank Gruppe entsteht ein Zusammenspiel unserer Printprodukte mit den digitalen Innovationen aus der IT. So können wir unseren Kunden – ausgehend von Print – ein Gesamtportfolio der Omnichannel-Kommunikation anbieten. Wir nennen es „Omniprint“.

FN: Herr Glowalla, wie handhabt man dieses große Potenzial, das in der Gruppe besteht?

JG: Als Medienunternehmen beobachten wir das Kommunikationsverhalten des Marktes, identifizieren Trends und überlegen, wie wir mit unseren Dienstleistungen darauf reagieren können. Hieraus entwickelte sich für uns eine regelrechte Kultur, an der wir über unseren Kompetenzbereich Consulting auch unsere Kunden teilnehmen lassen. Während klassische Drucker es oft dabei bewenden belassen, ihren Kunden z. B. bei variablen Daten eine Excel-Datei vorzugeben, beraten wir unsere Kunden ausführlich über die weitreichenden Kommunikationsmöglichkeiten, die ihnen mit unseren Lösungen zur Verfügung stehen. Wir laden Kunden zu Pilotprojekten ein, setzen mit ihnen zusammen neuartige Kampagnen um.

FN: Nennen Sie uns ein Beispiel?

JG: Na klar. Denken wir doch allein an Internetwerbung. Hier erkannten wir in den letzten Jahren, dass Online-User aufgrund des niedrigen Preisniveaus der Internetanzeigen mit einer regelrechten Flut an Werbung zu kämpfen haben. Die Folge ist, dass Adblocker und Spamfilter installiert werden, um sich vor diesem sogenannten „Information Overkill“ abzuschirmen. Die so entstehende Lücke zwischen Werbetreibenden und Werbeempfängern können wir mit unseren Realtime-Printing-Lösungen schließen. Dabei ermöglicht es der Digitaldruck, die Individualität der digitalen Werbung beizubehalten und somit Print und One-to-One-Marketing optimal zu vereinen. Ein konkretes Beispiel dafür sind unsere Drookies®. Hochentwickelte Systeme erfassen die Daten von Online-Warenkorbabbrechern und wir drucken personalisierte, volladressierte Webreaction- Postkarten, die postalisch innerhalb von 48 Stunden im Briefkasten der Warenkorbabbrecher landen. Damit können bis zu viermal höhere Bestellquoten erzielt werden.

FN: Herr Polei, in der neuen Umwelterklärung spielt Eversfrank geschickt mit Print und digitalen Inhalten. Wie sieht das konkret aus?

AP: Unsere neue Umwelterklärung ist das beste Beispiel für eine effiziente Verschmelzung aus Print und Web. Alle redaktionell aufbereiteten Inhalte finden unsere Leser zum Schmökern im gewohnten Printprodukt. Für alle Hardfacts, wie zum Beispiel die genauen ökologischen Betriebsbilanzen, lotsen wir mit unserer Eversfrank-App auf eine Landingpage, auf der die Leser sauber aufbereitet alle genauen Daten nachlesen können. Sie brauchen mit dem Smartphone nur die jeweilige Grafik einscannen und schon landen sie online auf dem gewünschten Inhalt.

FN: Das klingt nach einer teuren Technologie.

AP: Image Recognition ist tatsächlich eine der elegantesten Arten, von Print ins Web zu lotsen. Doch mit Technologiepartnern haben wir dieses Verfahren auf einen bezahlbaren, großindustriellen Maßstab gehoben, die es zum Beispiel bei Katalogen ermöglicht, jedes einzelne von vielen tausenden dargestellten Produkten zu interaktivieren. Und so lotst jede Produktabbildung eines gedruckten Kataloges mittels Smartphone oder Tablet direkt auf die passende Stelle im Online-Shop.

FN: Herr Glowalla, am Standort Preetz gibt es bereits zwei Digitaldruckmaschinen. Ich habe gehört, diese bringen eine weitere Verschmelzung mit sich?

JG: Richtig, nämlich die aus Digital- und Offsetdruck. Dieser sogenannte Hybriddruck ermöglicht zum Beispiel Lösungen, die den lokalen Marktauftritt noch regionalspezifischer gestalten können. Mit unseren Global-Local-Portallösungen können heute zum Beispiel 10.000 Reisebüros oder 3.900 Apotheken sämtliche Katalog-Umschläge regionalisieren und dabei eigene Logos, Adressen und Fotos der lokalen Teams platzieren. Die aggregierten Umschlagseiten aller lokalen Vertriebspartner werden dann im Hybriddruckverfahren erstellt – die individuellen Umschläge im Digitaldruck, die statischen Innenteile im Rollenoffsetdruck. Auf diese Weise kombinieren wir die Variabilität des Digitaldrucks mit der Kosteneffizienz des Rollenoffsets.

FN: Kurzgesagt: Welche Rolle glauben Sie, wird Print dann in Zukunft spielen?

JG: Das klassische Medium Print, digital getunt.